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  • Fotoproduktion Fußballgöttinnen

Fußballgöttinnen

„Wir sind doch ein Machoverein“ gibt der Pressechef eines namhaften Bundesligaklubs zu. Und Recht hat er: Zwar ist die Frauennationalmannschaft Weltmeister, aber Fußball ist nach wie vor eine Männerdomäne. Nicht ganz! Sie sind längst da, die Frauen. Und das bei weitem nicht nur als Spielerinnen auf dem Fußballplatz. In allen Positionen im weiten Rund des Fußballzirkus haben Frauen sich einen Platz erkämpft. Dabei sind sie oft die Einzigen ihrer Art. Sabine Töpperwien ist seit über einem Jahrzehnt die einzige Frau in der legendären ARD-Radio- Bundesligakonferenz. Sportfotografin Sandra Behne fallen europaweit höchstens ein oder zwei Kolleginnen ein. Und die Fahrerein des hochkarätig besetzten FC-Bayern-Manschaftsbusses, Sandra König, ist ebenfalls konkurenzlos. Sie alle haben den Schritt in eine Welt der Männer gewagt und haben nicht selten einen ganz eigenen Blick auf das runde Leder und das ganze Spektakel drumherum.

Fußballgöttin: Sandra König

Woche für Woche jagt sie den silbernen Mehrtonner mit ruhiger Hand quer durch die Republik. Sie fährt den Mannschaftsbus des FC Bayern München und ist darum ständig auf Achse. Das Kutschieren der Fußballstars hat Familiengeschichte: Ihr Vater ist die Busfahrer-Legende Rudi Egerer. Er hat Generationen von Bayern-Stars zu den Fußballtempeln gefahren. Seit 16 Jahren kümmert sich Sandra König um die Profis. Damit diese glücklich am Zielort ankommen, stellt sie Kaffee und Wurstbrote bereit, legt für Ballack und Scholl ein Skat-Blatt aus und hat immer den passenden Musik-Mix in petto. Seit die Mannschaft mal miserable Hotelkost über sich ergehen lassen musste, schwingt sie selbst in der Küche des High-Tech-Busses den Kochlöffel. Ihr Bus - das ist ihr Baby. Am liebsten donnert sie damit über die Autobahnen. Sie sei eigentlich eine Einzelgängerin, sagt sie, und die einsamen Stunden unterwegs findet sie alles andere als unangenehm. Aber die Jungs von den Bayern, die dürfen natürlich auch mitfahren.

Fußballgöttin: Wiltrud Friedenstab

Wenn es sein muss, dann stürmt sie schon mal ein Hotel. Zum Beispiel, wenn nicht alle der schönen DFB-Stutzen nach einem Auswärtsspiel wieder den Weg zu ihr zurückfanden. Als Zeugwartin der Frauen-Nationalmannschaft des DFB war sie schließlich Herrin über die Ausrüstung und wurde auch mal resolut, wenn es sein musste. Mehr als zwei Jahrzehnte hat sie die Nationalelf begleitet. In dieser Zeit hat sie nicht wenig dazu beigetragen, dass Frauenfußball in Deutschland groß wurde. Gleichzeitig hat sie dafür gesorgt, dass die erfolgreichen Spielerinnen nicht übermütig wurden. Ihre Schuhe mussten die Stars selber putzen. Das sei ja wohl auch Erziehungssache, meint „Feldwebel“ Friedenstab. Ob sie das bei den millionenschweren männlichen Spielerkollegen auch durchgesetzt hätte? Man zweifelt kaum daran.

Fußballgöttin: Anouschka Bernhard

Damit Fußballstars ganz groß werden können, fangen sie schon ganz klein an. Bei Hertha BSC spielen Jungs, die schon sehr genau wissen, was man mit dem Leder alles anfangen kann. Natürlich müssen die 7- bis 13jährigen in geregelten Bahnen bzw. auf den richtigen Plätzen kicken. Darüber wacht Anouschka Bernhard. Sie ist Kleinfeldkoordinatorin bei Hertha. Klingt nach einem Schreibtischjob, ist aber keiner. Vier bis fünf Mal pro Woche steht sie bei Wind und Wetter auf den Fußballplätzen des Hauptstadtvereins und blickt stolz auf ihre Schutzbefohlenen. Es sei kaum zu glauben, sagt sie, wie ein paar 9jährige den Zuschauer schon schwindlig spielen können. Ab und zu kickt Anouschka auch noch selbst, zusammen mit den anderen Angestellten des Hauptstadtvereins. Keine wirkliche Herausforderung für die ehemalige Nationalspielerin, mehrfache Deutsche Meisterin und Pokalsiegerin, die später den legendären FSV Frankfurt trainierte. Klar aber, bei dieser Vergangenheit, dass sie sich auch heute noch auf Fußballplätzen wohlfühlt.

Fußballgöttin: Sabine Töpperwien

Sie ist die Stimme, die Samstag nachmittags aus dem Radio tönt. Jeder Fußballinteressierte in Deutschland kennt sie seit Jahren. Ihr Gesicht hingegen kennt kaum jemand. Sabine Töpperwien ist Live-Reporterin für die legendäre ARD-Bundesligakonferenz. Samstag für Samstag sitzt sie in der Reporterkabine eines Stadions im tiefen Westen Deutschlands und beschreibt mit ihrer charakteristischen Stimme und gepfefferten Worten, was dort unten auf dem Platz geschieht. Über 300 Spiele hat sie bereits besprochen, und doch ist jeden Samstag wieder alles neu, alles frisch und live und keiner weiß, was diesmal passieren wird. In einer berechenbar gewordenen Welt, sagt sie, ist Fußball eines der wenigen unvorhersagbaren Dinge. Seit 1989 gehört sie zum festen Inventar der Bundesligaberichterstattung im Radio. Dabei ist sie die einzige Frau geblieben. Am Anfang sei es nicht leicht gewesen. Sie habe sich erst nach und nach ein sicheres Standing erarbeiten müssen. Heute ist sie gar nicht mehr wegzudenken.

Fußballgöttin: Daniela Fuß

Sachverstand in rauen Mengen, den muss eine Frau mitbringen, wenn sie eine Fußballsendung moderiert. Ehemalige männliche Fußballprofis können im Fernsehen die immergleichen Plattitüden von sich geben, doch einer Frau verzeiht man keinen Fehler. Unvergessen ist der legendäre Versprecher von Carmen Thomas. Ihr "Schalke 05" löste damals eine regelrechte Hetzkampagne aus. Und noch heute ist der Einstieg in die Moderatorenwelt für eine Frau schwer. Daniela Fuß stößt vereinzelt immer wieder auf alte Vorurteile und achselzuckendes Unverständnis, doch bei den meisten hat sie sich Respekt verschafft. Das liegt an ihrem Charme aber vor allem auch daran, dass sie in Sachen Fußball jeden Gesprächspartner in Grund und Boden fachsimpeln kann. Der Fußball rollte früh in ihr Leben. Ihr Vater nahm sie mit zu Bochum. VfL-Fan ist sie bis heute. Heute kickt ihr Sohn. Fußball ist für sie mehr als ihr Beruf.

Fußballgöttin: Daniela Schulz

Mit süßen 13 Jahren schnuppert sie zum ersten Mal Stadionluft. Bodo Illgner ist es, der sie für den Fußball begeistert. Heute ist sie 28 und kann immer noch mit Freundinnen nächtelang über Bodo schwärmen. Seitdem ist viel passiert: Einen Mädels-Fanclub hat sie gegründet: die Always Ultras. Der 1. FC Köln ist ihr Verein. Bald ist sie regelmäßig im Stadion, kratzt an der "30-Marke", die für echte Fans das Ziel ist: 30 Mal dabei gewesen, von 34 Spielen insgesamt. Neben dem Fußball ist das Schreiben ihre zweite Liebe. Ihre Stadionerfahrungen verwertet sie in ihrem ersten Roman "Kurvengänge", der im Moment verfilmt wird. Als Sportjournalistin schreibt sie für Zeitungen, natürlich über Fußball. Und dass auch die Promotion, an der sie soeben feilt, mit Fußball zu tun hat, versteht sich von selbst.

Fußballgöttin: Sandra Behne

Ihr Beruf ist die Jagd. Mit einer Kamera und einem schon monströs anmutenden Objektiv kauert sie hinter der Torauslinie, immer voll konzentriert, immer bereit abzudrücken. Ihre Beute: der perfekte Moment. Das kann der Moment sein, in dem Makaays Kopf dem Ball die richtige Richtung verpasst, oder der Moment, in dem Kahn ohnmächtig dem an ihm unerreichbar vorbeiziehenden Leder nachblickt. Sandra Behne ist Sportfotografin für getty images. Die hochgeschossene Blondine ist Profi. In der AllianzArena, ihrem Jagdrevier, ist sie zu Hause. Dort lauert sie jede Woche auf das perfekte Bild. Triumpfzüge hat sie dort schon eingefangen und bitterste Niederlagen. In der langen Reihe der Fotografen, die dort angespannt mit der Kamera im Anschlag stehen, ist sie die einzige Frau.

Porträts der FUSSBALLGÖTTINNEN:
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